Kaspar, Peter Paul

30. Juni 1942: In Wien geboren, Vater Journalist, Mutter Hausfrau, 4 Geschwister, Volksschule der Schulbrüder in Wien/Strebersdorf, Gymnasium und Knabenseminar in Hollabrunn, 1960 Reifeprüfung.

1960-1966: Studium der Musik und Theologie in Wien und Innsbruck (u. a. Theologie bei Karl Rahner und Orgel bei Anton Heiller), Studienabschlüsse 1965 (Kirchenmusik mit Auszeichnung) und 1966 (Theologie), 28. Mai 1966: Priesterweihe in Wien durch Kardinal Franz König.

Eigentlich wollte er ja Bergbauernpfarrer werden - wie sich halt ein Stadtkind das Leben eines volksnahen Seelsorgers vor einem halben Jahrhundert vorgestellt haben mag. Statt dessen schickte man ihn schon in der Kaplanszeit in die Stadt und zu den Studenten. Das war dann wohl auch der rechte Platz für ihn. Inzwischen mit seiner Zielgruppe erwachsen geworden, findet er sich heute unter den "Akademikern, Künstlern und Intellektuellen". (So nennt das Forum St. Severin im Katholischen Akademikerverband Österreichs im Statut seine Zielgruppe.) Der frühere Wiener Jugend- und Studentenseelsorger wurde somit zum Linzer Akademiker- und Künstlerseelsorger, zum Rektor der Ursulinenkirche mit ihrer Studenten-, Akademiker- und Künstlergemeinde. Er betreibt also heute in der Linzer City "ambulante Seelsorge", bespielt eine bild- und klangschöne Barockkirche mit Kultur und kultivierten Gottesdiensten im etwas lauten und atemlosen Zentrum der Stadt. Hier, in der Fußgängerzone, hat der urbane Flanierer seine Rolle in der inzwischen als wichtig erkannten City-Pastoral gefunden.

Damals, nach Abschluss seines Musik- und Theologiestudiums, hat er sich vorgenommen, dem zuvor gepflegten Komponieren zu entsagen. Falls das ein Gelübde war, hat er wenigstens dieses gehalten. Einen flüchtigen Rest der alten Tonkunst pflegt er jedoch gerne in der Improvisation, spielt - vor allem in der eigenen Kirche - die Tasteninstrumente in Konzert und Gottesdienst. Seit 1986 wird in der von ihm betreuten Ursulinenkirche an jedem Sonn- und Feiertag um 20 Uhr ein Gottesdienst mit Musik und Predigt gehalten - etwa 60 mal im Jahr, ohne Sommerpause. Dazu kommen viele Konzerte und andere Kulturveranstaltungen, auch Ausstellungen, Lesungen und geistliches Musiktheater. Wenn er gefragt wird, ob er zur Sonntagsmesse lieber den Altardienst versieht, oder eines der Instrumente spielt - dann gesteht er Letzteres. Die Aktivitäten des konzertierenden und an der Anton Bruckner Universität lehrenden Musikers mit denen des Buchautors fügen sich gut in den Aufgabenbereich des Akademiker- und Künstlerseelsorgers.

Heute findet er, dass ihn das Leben - entgegen seinen ursprünglichen Wünschen - genau dorthin geführt hat, wo er hingehört: in die Stadt, unter intellektuelle, kunstinteressierte und kritische Menschen. Die sind nicht immer so brav und katholisch, wie es der Papst gerne hätte - aber wer ist das heutzutage schon? Er versteht sich auch gut mit Anders- und Garnichtgläubigen, lädt seinen evangelischen Amtsbruder am Reformationsfest zur Predigt und findet, dass man nicht an Gott glauben muss, um Seelsorge zu brauchen. Besonders versteht er sich mit Zweiflern, Skeptikern und Kirchenkritikern. Denn Zweifel, Skepsis und Kritikfähigkeit hält er für unerkannt christliche Tugenden. Dass sein Lebensweg sehr anders verlaufen ist, als er sich ursprünglich vorgestellt und gewünscht hätte, findet er heute gut. Er erinnert sich gern an einen Neujahrswunsch, der ihm als jungem Seelsorger an einem bitter kalten Neujahrstag von einem bekannten Intellektuellen auf der Währingerstraße zugerufen wurde: "Ich wünsche Ihnen nicht, was Sie sich wünschen, sondern was gut ist für Sie!"